Lesedauer: 5 Minuten

Tagebuch führen Teil 1 – die heilsame Wirkung des Schreibens


Teil 1: Die psychologischen Hintergründe

Tagebuch schreiben – viele von uns kennen es wahrscheinlich noch aus ihrer Jugendzeit. Wir schreiben über heimliche Schwärmereien, Liebeskummer, bis hin zu geheimen Lästereien und peinlichen Momenten, von denen bloß niemand erfahren soll. Doch hast du gewusst, dass wir damit, ohne es zu wissen, die Vorteile der Schreibtherapie für uns genutzt haben?

Schreibtherapie ist eine Art der Kunsttherapie, die uns hilft, unsere Gedanken und Gefühle besser wahrzunehmen, zu strukturieren und reflektieren. Darüber hinaus kann sie zur Erreichung unserer Ziele beitragen, unsere Produktivität steigern und für eine glücklichere Lebenseinstellung sorgen. Die Vorteile des Tagebuchschreibens sind unzählbar.

Doch um wirklich zu begreifen, wieso das Schreiben uns einen so großen Mehrwert bietet, müssen wir ein bisschen tiefer gehen. Wir müssen uns fragen, was unsere Gedanken und Gefühle überhaupt sind und woher sie kommen. Schließlich müssen wir auch ihren Zusammenhang mit unseren Glaubenssätzen und Gewohnheiten verstehen, um die Vorteile des Tagebuchschreibens wirklich zu verdeutlichen.
In diesem Beitrag möchte ich zunächst die psychologischen Hintergründe unserer inneren Vorgänge einmal erklären.
In Teil 2 werde ich darauf eingehen, wie das Tagebuchschreiben mit all dem zusammenhängt und welche Herangehensweisen du für dich nutzen kannst.

 

Inhaltsangabe

Gedanken und Emotionen

Beginnen wir bei den Basics – unseren Gedanken und Emotionen. Denn wie bereits erwähnt ist es sehr wichtig, unsere inneren Vorgänge einmal unter die Lupe zu nehmen und zu verstehen, wie unsere Gedanken und Emotionen zusammenhängen. Nur so können wir später begreifen, wie sich das Tagebuchschreiben auf uns auswirkt und uns als wertvoller Begleiter zur Seite stehen kann.
Also...

Was zeichnet unsere Emotionen aus?

Emotionen sind sehr komplexe Vorgänge im menschlichen Körper. Tatsächlich gibt es bisher keine festgelegte Definition für Emotionen. Der Begriff „Emotion“ lässt sich jedoch als innere Empfindung beschreiben, welche es uns ermöglicht, auf Situationen im Alltag zu reagieren und ohne Worte mit anderen Menschen zu kommunizieren.

Häufig werden Emotionen auch mit Gefühlen gleichgesetzt. Das ist allerdings nicht ganz richtig. Gefühle sind nur ein Teil der Emotionen, wie beispielsweise Trauer, Freude oder Wut. Emotionen beinhalten zusätzlich die körperliche Reaktion auf ein Gefühl (z.B. lachen, weinen, zittern) und unsere Denkprozesse (z.B. Entscheidungen treffen, Erinnerungen).1

Emotionen werden im limbischen System generiert, einer Funktionseinheit im Gehirn, welche für die Entstehung und Verarbeitung der Emotionen zuständig ist. Das limbische System ist ein Teil unseres Unterbewusstseins und erst durch das Zuschalten der Hirnrinde werden Emotionen bewusst von uns wahrgenommen. Viele unserer Emotionen werden jedoch gar nicht bis ins Bewusstsein, also bis zur Hirnrinde, gelangen. Somit werden sie direkt in unserem Unterbewusstsein abgespeichert, ohne, dass wir sie jemals erfahren durften. 2 Verrückt, wie komplex unser Körper ist, oder?

Wie Gedanken unsere Emotionen beeinflussen

„Auf die Dauer der Zeit nimmt die Seele die Farbe der Gedanken an.“
Was schon vor rund zweitausend Jahren der römische Kaiser Marc Aurel wusste, ist mittlerweile durch viele moderne Forschungen bewiesen. Unsere Gedanken formen unsere Realität, und das ist kein Hokus-Pokus, sondern anerkannte Wissenschaft.
Doch warum ist das so? Was passiert in unserem Körper, wenn wir denken?

Jeder Gedanke führt zu einer bestimmten biochemischen Reaktion im Körper. Bei negativen Gedanken werden beispielsweise Adrenalin, Noradrenalin, Cortisol und Histamine ausgeschüttet, bei positiven Gedanken Dopamin, Serotonin, Oxytocin und Endorphine. Diese Botenstoffe lösen schließlich negative oder positive Emotionen in uns aus – bewusst, oder auch unterbewusst. Das heißt, unser Denken beeinflusst unsere Stimmung nicht nur mental, sondern auch biologisch gesehen auf direktem Wege. 3

Viele Literaturen weisen darauf hin, dass wir etwa 60.000 bis 80.000 Gedanken pro Tag denken. Davon sind, je nach Literatur, rund 25% negativ und 3% positiv. 4 Das sind verdammt erschreckende Zahlen, oder? Zahlen, über die es sich einmal kurz nachzudenken lohnt, denn auch, wenn es uns auf den ersten Blick vielleicht gar nicht so erscheint, fallen uns negative Gedanken oft sehr viel einfacher als positive. Vielleicht kennst du das ja selbst: Lieber hängt man sich daran auf, wieso etwas nicht funktionieren kann, anstatt daran zu glauben, dass und wie es funktionieren kann.

Zudem sind nur etwa 5% unserer Gedanken „neue Gedanken“. 5 Alle anderen beruhen auf dem, was wir bereits wissen und wie wir uns selbst und die Welt um uns wahrnehmen, resultierend aus Erfahrungen, welche wir in unserem Leben gesammelt haben – vereinfacht gesagt, aus unseren Glaubenssätzen.

Glaubenssätze

Sicherlich hat fast jeder schon einmal von ihnen gehört – den allseits bekannten Glaubenssätzen. Auch sie sind für das psychologische Verständnis hinter dem Tagebuchschreiben sehr wichtig, denn sie hängen eng mit unseren Verhaltensmustern zusammen.
Lass uns nun gemeinsam herausfinden, was Glaubenssätze sind und wie sie unsere Gewohnheiten prägen.

Was sind überhaupt Glaubenssätze?

Glaubenssätze (in der Psychologie auch Grundannahmen genannt) bestimmen einen großen Teil unseres Lebens, denn sie sind quasi unsere inneren Überzeugungen und Leitfäden, an denen wir uns orientieren. Alles, was wir für wahr oder allgemein gültig halten, ist ein persönlicher Glaubenssatz.
Viele Glaubenssätze sind für unser Leben und dessen Ordnung sehr wichtig. Sie verleihen uns Struktur und das Gefühl der Kontrolle. Wie zum Beispiel: „Diese Blume ist rot.“ Auch das ist ein Glaubenssatz, da wir davon überzeugt sind, also glauben, dass diese Blume rot sei.

Es gibt jedoch auch Glaubenssätze, die unser Denken und unser Handeln blockieren. Hier spricht man von negativen Glaubenssätzen. Ein Beispiel hierfür wäre: „Ich kann das nicht.“, oder „Ich bin nicht gut genug.“ Solche Überzeugungen können wir tatsächlich für genauso wahr erachten wie die rote Farbe der Blume. Klingt fatal, oder? Das beeinträchtigt unseren Selbstwert und die allgemeine Lebenseinstellung natürlich enorm. 6

Erkennst du dich wieder? Überlege einmal - welche Glaubenssätze hast du in dir verankert? Bist du auch manchmal felsenfest davon überzeugt, etwas nicht zu können oder nicht zu schaffen? An dieser Stelle finde ich das Zitat des Ford-CEOs Henry Ford sehr zutreffend. Er sagte: „Egal ob du glaubst, dass du etwas kannst oder es nicht kannst - du hast recht.“ 
Unsere Glaubenssätze beeinträchtigen aktiv unser Denken, und somit auch unser Handeln. Wieso ist das so? Das werden wir jetzt gemeinsam herausfinden.

Wie entstehen Glaubenssätze?

Fangen wir einmal von vorne an - woher kommen eigentlich Glaubenssätze?
Viele unserer Überzeugungen habe ihren Ursprung bereits in der Kindheit. Unsere Eltern und unser Umfeld prägen schon in frühen Jahren unsere Sicht auf uns selbst, auf andere und auf die Welt. Dabei muss die Überzeugung nicht einmal direkt von einer Bezugsperson ausgesprochen werden, sondern kann sich auch passiv durch deren Verhalten äußern. 7 So kann beispielsweise für ein Kind, das von seinen Eltern überbehütet wird, der Glaubenssatz entstehen: „Ich schaffe das nicht alleine.“

Wichtig ist hierbei zu verstehen, dass unsere Wahrnehmung immer subjektiv ist. Schon das Wort „Wahr-nehmung“ verrät uns, dass es sich um etwas handelt, was wir wahrnehmen, das aber keinesfalls der Realität entsprechen muss. Das bedeutet, wir werden immer verstärkt das wahrnehmen, was wir ohnehin schon für wahr erachten, was also in unseren Glaubenssätzen, Überzeugungen und Ansichten verankert ist. Wenn wir also im Laufe der Jahre Erfahrungen sammeln, werden sich unsere Einstellungen und Glaubenssätze weiter festigen und sich schließlich zu einer Art Computer-Programm in unserem Kopf entwickeln. Das heißt, unser Gehirn spielt diese Annahmen irgendwann wie automatisch ab und so entstehen daraus Verhaltensmuster. 8

So wird beispielsweise das überbehütete Kind als heranwachsender Mensch verstärkt die Dinge wahrnehmen, die es in seiner Überzeugung bestätigen, alleine nichts schaffen zu können. Die Wahrscheinlichkeit für diesen Menschen ist nun sehr hoch, in ein Muster der Unselbstständigkeit und Abhängigkeit zu verfallen.

An dieser Stelle möchte ich dich noch einmal kurz zum Nachdenken anregen. Wie sieht deine Realität aus? An welchen Glaubenssätzen hältst du fest, obwohl sie dir vielleicht gar nicht guttun? Und welche Verhaltensweisen haben sich dadurch im Laufe der Jahre in dir verfestigt?

Außerdem fragst du dich bestimmt, wie du dem Ganzen entkommen kannst und was das alles mit dem Tagebuchschreiben zu tun hat.
Und genau das wollen wir nun im zweiten Teil dieses Beitrags ergründen. Lass uns gemeinsam auf die Suche nach Antworten gehen, mit denen wir unsere unbewussten Emotionen, Glaubenssätze und Gewohnheiten aufdecken können. Bist du dabei? ☀

Hier gelangst du zum 2. Teil des Blogbeitrags!

MERCI an dieser Stelle an Leilah, Autorin dieses Blogartikels, angehende Heilpraktikerin und Teilnehmerin unseres Copywriting-Mentorings "Clear Words - Schreib´ dich frei!". Nimm gerne persönlich Kontakt zu ihr auf: heilsames.schreiben@web.de

Du hast noch persönliche Fragen an uns? Dann schreib´ Jana und mir eine Nachricht oder schau´ direkt auf unserer Website vorbei: https://brandyourvoice.de/

Literatur und Quellen

1 Studyflix (2023). Emotionen. (https://studyflix.de/biologie/emotionen-3606)

2  Das Gehirn. Bewusste Gefühle. (https://www.dasgehirn.info/denken/emotion/bewusste-gefuehle)

3, 4 Akademie für Neuromentaltraining (2023). Denken und Neuroplastizität. (https://www.neuromentaltraining.com/neuro-blog/denken-neuroplastizitaet/)

5  Lucas Rick. Selbstwertgefühl steigern: In 10 Schritten zu innerer Stärke. Den inneren Kritiker entwaffnen. (https://heilpraktiker-psychotherapie-bonn.de/selbstwertgefuehl-steigern-in-10-einfachen-schritten/alles-was-du-fuer-den-start-benoetigst/du-denkst-60-000-gedanken-am-tag/)

6, 7, 8 Susanne Link. Glaubenssätze – was ist das eigentlich? (https://susannelink.com/2022/10/01/was-sind-eigentlich-glaubenssaetze/)

Deine autorin Leilah Förster
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